Extrafeines
Weizenvollkornmehl aus heterogenen Weizenpopulationen
Dieses extrafeine Bio Weizenvollkornmehl mahlen wir aus
heterogenem Weizengetreide der Sorten Brandex und Locharlis. Gewachsen auf den
Feldern des Biolandhof Kroll-Fiedler, in direkter Nähe zur Mühle. Das
Einzigartige an einem Populationsmehl ist dessen enorme genetische Vielfalt
aufgrund der Durchkreuzung mehrerer Liniensorten.
Dieses Weizenvollkornmehl wird durch ein spezielles
Mahlverfahren besonders fein vermahlen bzw. regelrecht micronisiert. Dies
bringt folgenden Vorteil: Mehl- und Kleiepartikel werden so fein vermahlen,
dass die Wasseraufnahme aufgrund der größeren Oberfläche im Vergleich zum
herkömmlichen Weizenvollkornmehl noch einmal steigt. Somit verhält sich das
Mehl eher so, wie ein Typenmehl. Gleichzeitig bleiben aber alle
ernährungsphysiologischen Vorteile eines Vollkornmehls erhalten. Geschmacklich
überzeugt dieses extrafeine Mehl durch seine milde Vollkornnote ohne spelzigen
Geschmack.
Was ist das Besondere
an diesem Mehl?
Der trockene Sommer 2022 zeigt wieder deutlich: unsere
Landwirtschaft steht vor einer großen Herausforderung… fortschreitender
Klimawandel und damit verbundene Ertragsausfälle, eine politisch unruhige Lage
mit Lieferengpässen, eine wachsende Weltbevölkerung, die ernährt werden muss,
Energiekrise… die Liste ist leider lang.
Die Auswirkungen sind auch hier vor unserer Tür angekommen:
die Getreidepreise steigen, Rohstoff- und Energiepreise explodieren, Kunden
kaufen verhaltener ein...
Eines unserer größten Anliegen als Bio-Mühle Eiling ist es,
ein verlässlicher, langfristiger, fairer Partner für sowohl unsere Lieferanten
als auch unsere Kunden zu sein. Für unsere Landwirte wünschen wir uns
Ertragssicherheit und faire Löhne und unseren (Bäcker-)Kunden möchten wir eine
verlässliche Rohstoffversorgung mit gleichbleibender Backqualität
gewährleisten.
Um dies langfristig weiter erfüllen zu können, sind wir der
Meinung, es muss ein Umdenken stattfinden. Hoffnung macht der Anbau von sog.
heterogenen Weizenpopulationen.
Was bitteschön sind
heterogene Weizenpopulationen?
Einfach erklärt:
Mehrere Liniensorten werden auf einem Feld ausgesät, sodass
es mit der Zeit zu einer genetischen Mischung kommt und sich besonders robuste
und anpassungsfähige Sorten durchsetzen bzw. neu entstehen (Resilienz durch
Diversität).
Dieses Thema fanden wir sehr spannend und baten unseren
langjährigen Lieferanten Christian Kroll-Fiedler vom Biolandhof Kroll-Fiedler
in Warstein-Belecke, einen „Versuch“ zu starten und einige seiner Felder mit
heterogenen Weizenpopulationen zu bestellen. Ausgesät wurden in unserem Fall
Saatgut der Populationen Brandex und Liocharls.
„Im Gegensatz zu einer
klassischen Liniensorte mit eng definiertem Züchtungsziel zeichnen sich
heterogene Weizenpopulationen durch Vielfalt
in ihren Eigenschaften und im Erscheinungsbild aus. Ein Blick auf ein
Feld mit Populationsweizen macht den Unterschied sofort sichtbar: Statt
einheitlicher Individuen sehen wir Weizenpflanzen unterschiedlichster Gestalt,
Wuchshöhe und Ährenform – mal begrannt mal unbegrannt.
Heterogene
Weizenpopulationen sind Ergebnis eines
innovativen Züchtungsansatzes mit dem Ziel einen gleichermaßen leistungsstarken wie widerstandsfähigen
Pflanzenbestand zu erreichen. Weizenpopulationen sind nicht einfach Mischungen
von Sorten auf dem Acker, sondern sie basieren auf der gezielten Durchkreuzung
von mindestens fünf Hochleistungsorten. Diese Elternsorten zeichnen sich durch
hohe Ertragsfähigkeit und gute Qualitätseigenschaften aus. Diese Eigenschaften
geben sie an ihre Nachkommen weiter. Dank der durch die
Durchkreuzung entstandenen genetischen Vielfalt kann der Populationsweizen auf unterschiedliche
Umwelteinflüsse viel dynamischer reagieren als eine
Liniensorte. Dies ist vor allem in der ökologischen Landwirtschaft wichtig, da
das Getreide sobald es auf dem Acker wächst, weitestgehend sich selber
überlassen ist. Bei einem kritischen Befall mit Schadorganismen gibt es kaum
Interventionsmöglichkeiten, da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht
in Frage kommen.“
Vgl.: https://www.weizenvielfalt.de/heterogene-populationen/
Erste Ergebnisse der langjährigen Forschung der Universität
Kassel zeigen, dass sich im ökologischen Weizenanbau hierdurch eine höhere
Stabilität bei Erntemengen und besonders in den Qualitäten erreichen lässt.
Erste Backversuche sind sehr erfreulich in Bezug auf Backeigenschaft und ausgezeichnetem Geschmack.
Wir haben uns dazu entschlossen auch unseren kleineren
Kunden und Hobbybäcker:innen die Möglichkeit zu bieten, mit Populationsweizen
zu backen. Zunächst bieten wir es als Vollkornmehl an. Wir sind gespannt auf
Ihre Erfahrungen und freuen uns sehr über Rückmeldungen.
Mehle und Teige sind nicht zum Rohverzehr bestimmt und
müssen stets gut durcherhitzt werden.
Überzeugen Sie sich selbst vom unvergleichlichen Geschmack
und den Backeigenschaften dieses besonderen Mehls!
Viele weiterführende,
interessante Hintergrundinformationen zu heterogenen Weizenpopulationen finden
Sie auf der Seite von BAKWERT (www.weizenvielfalt.de)
Um Anbau, Verbreitung und Vermarktung heterogener
Weizenpopulationen voranzubringen hat sich das Projekt BAKWERT (Bewertung und
Akzeptanz heterogener Weizenpopulationen in ökologischen Wertschöpfungsketten)
zusammengeschlossen, bestehend aus der Universität Kassel (Dr. Torsten
Siegmeier und Dr. Odette Weedon), Kompetenzzentrum Ökolandbau Baden-Württemberg
(KÖLBW) und dem Berufsverband Die Freien Bäcker e.V. Gemeinsam mit Praxispartnern
wird hier über drei Jahre der Anbau von heterogenen Weizenpopulationen, die
Mahl- und Backprozesse, wie auch die Vermarktung der Backwaren aus
Populationsgetreide begleitet und wissenschaftlich untersucht.
Quellen: www.weizenvielfalt.de, Bioland Magazin Mai 2018,
Agrar heute Pflanze und Technik September 2018